„Hello Again…“, mit dem bekannten Schlager auf den Lippen kommt er in Poloshirt und Chino hereingeschlendert. Schnell wird klar, dass er nicht nur ein Künstler des Sports ist, sondern genauso den Smalltalk beherrscht. Mit seiner drahtigen Figur und seiner aufgeschlossenen Art hinterlässt Eberhard Gienger Eindruck. Auch beim Treffen mit ihm, beim neuen VITARa-Wohnprojekt (Wohnen mit Service) auf Schloß Stetten, wird schnell klar: der Mann weiß genau was er will.
Sie dürfen ein ganz besonderes Jubiläum feiern: 50 Jahre Weltmeisterschaft am Reck. Denken Sie noch oft an diese außergewöhnliche Leistung?
Ja, klar. Das war ein unbeschreibliches und einschneidendes Erlebnis. Das Wissen, dass Du Weltmeister bist, ist toll. Das Gefühl, was diese WM bedeutet, kam jedoch erst später, mit den Reaktionen der Leute. Mich erreichte eine unglaubliche Anteilnahme, Glückwünsche, Anrufe und auch Telegramme hochrangiger Politiker. Im selben Jahr wurde ich sogar zum „Sportler des Jahres“ gekürt, noch vor Franz Beckenbauer, obwohl er als Spieler der DFB-Elf 1974 Weltmeister wurde.
Warum waren Sie gerade am Reck so erfolgreich?
Bodenturnen und das Pferd habe ich im Training favorisiert. Am sichersten und wohlsten fühlte ich mich jedoch am Reck. Deshalb habe ich hier am liebsten bei Wettkämpfen geturnt.
Ein Salto rückwärts gebückt mit einer halben Längsachsendrehung vor der Reckstange, das war Ihr berühmter Gienger-Salto. Würden Sie sich den heute noch zutrauen?
Zum 65. Geburtstag habe ich ihn zuletzt gemacht und würde ihn mir auch heute noch zutrauen. Doch es wäre unklug. Obwohl ich noch etwa einmal die Woche Sport am Reck mache, ist meine Muskulatur nicht mehr ausreichend trainiert und elastisch.
Wie halten Sie sich heut noch fit?
Am liebsten mache ich täglich Sport in meinem Büro: Nach einstündiger Bewegung auf dem Fahrradergometer, gehe ich zum Krafttraining über. Einmal die Woche besuche ich zusätzlich das Frankfurter Leistungszentrum. Dort turne ich am Reck. Großen Wert lege ich aber auch auf das „Apre-Turnen“ mit meinen Kollegen.
Eine ganz große Leidenschaft gilt daneben dem Fallschirmspringen.
Sie haben auch mit anderen außergewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht: Als Kandidat bei Wetten, dass…? – mit einer Hubschrauber-Salto-Wette oder indem Sie einem DDR-Sportler, versteckt in Ihrem Auto, zur Flucht verhalfen. Welches Erlebnis blieb Ihnen besonders in Erinnerung?
Da fällt mir ein Fallschirmsprung 1994 mit extremen Minustemperaturen am Nordpol ein: Bei -53 Grad Celsius habe ich das Flugzeug verlassen und bin bei -30 Grad in der Wärme gelandet (erzählt er mit einem breiten Lächeln).
Zuletzt wohnten Sie in Heidenrod-Springen im Taunus und seit März diesen Jahres wieder in Künzelsau. Sind Sie überhaupt oft zu Hause?
An den Wochenenden bin ich tatsächlich meistens unterwegs. Geschätzt bin ich circa einen halben Monat weg von zu Hause.
War das ein Grund wieder in die Heimat zurückzukehren? Vielleicht etwas mehr Ruhe einkehren zu lassen und um einen Lebensmittelpunkt zu haben?
Der Hauptgrund war, dass ich mich trotz meines Wegzugs 1968, als Künzelsauer gefühlt habe. Beim TSV Künzelsau e.V. bin ich bis heute Mitglied. Wir haben all die Jahre sehr schön gewohnt, Künzelsau empfinde ich jedoch als Heimat.
Wie kamen Sie darauf in Schloß Stetten eine Wohnung zu erwerben?
Ein dreiviertel Jahr zuvor habe ich einen Bauplatz in Kocherstetten gekauft. Erst danach haben meine Frau und ich von der Idee des „Wohnen am Gesundheitscampus Schloß Stetten“ erfahren, dessen Konzept uns Christian von Stetten vorgestellt hat. Das hat uns ausgesprochen gut gefallen. (Lächelnd erklärt Eberhard Gienger): Ich muss künftig keinen Rasen mehr mähen und wir werden nicht mehr zum Arzt gehen – sondern zu unserem Nachbarn (Anmerkung: direkt gegenüber den neu entstehenden Wohneinheiten liegt der Gesundheitscampus mit Angeboten rund um Prävention, Therapie und Medizin).
Außerdem liegt der Flugplatz Schlierstadt, bei dem ich in der Regel für meine Fallschirmsprünge starte, nur 50 km entfernt. Dadurch habe ich eine deutlich kürzere Wegstrecke als bisher.
Haben Sie noch Freundschaften in Künzelsau?
Tatsächlich leben hier noch viele ehemalige Klassenkameraden und Turnfreunde.
Was wünschen Sie sich noch?
Dass wir uns hier gut einleben, nette Menschen kennenlernen und uns rundum wohlfühlen. Wir freuen uns auf eine schöne Zeit – mit Begegnungen die guttun, und Momenten, die den Alltag besonders machen.
Zum Schluss noch eine Schnellfragerunde:
- Mein Traum: „Ich möchte gesund, fröhlich und glücklich sein.“
- Glück ist, wenn….“man in einer Gemeinschaft – wie ich mit meiner Frau Sibylle – leben darf.“
- Wenn Sie für einen Tag in andere Haut schlüpfen könnten, dann wäre das…“der Dalai Lama. Er würde mich als spannende Persönlichkeit sehr interessieren.“
Interview + Autorin: Ute Scheper


